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Lebensstationen
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| Zablotow 1905 - 1916 |
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Wien 1916 - 1927 |
| Manès Sperber im Alter von 7 Jahren |
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Manès Sperber ca. 1920, Gymnasiast |
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| Berlin 1927 - 1933 |
| Verhaftung 1933 durch die SA in Berlin,
Manès Sperber in der Mitte |
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| Kroatien, Paris, Cagnes sur Mer
1933 - 1942 |
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Zürich 1942 - 1945 |
| Manès Sperber 1935 |
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Manès Sperber 1942 |
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| Paris 1945 - 1984 |
| Manès Sperber 1978 im Jardin
de Luxembourg |
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Wer ist Manès Sperber
(1905 - 1984)
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In den 80er Jahren hätte man nicht erklären
müssen, wer Manès Sperber war. Er erreichte mit der Romantrilogie
"Wie eine Träne im Ozean" und mit der dreiteiligen Autobiographie
"All das Vergangene
" eine breite Leserschaft, und auch
seine kritische Adler-Biographie wurde stark beachtet. Mit dem Friedenspreis
des Deutschen Buchhandels erhielt er 1983 die wohl höchste öffentliche
Anerkennung, die ein Schriftsteller im deutschen Sprachraum erwarten kann.
Dass der engagierte Kämpfer gegen totalitäre Herrschaft und
speziell gegen die Kompromittierung linker Ideale durch den sowjetischen
Kommunismus gerade dann weniger gelesen wurde, als die Geschichte ihm
Recht zu geben begann, ist weder ein ungewöhnliches Schicksal noch
eine Tragik. Im Gegenteil. Heute eröffnet sich dadurch die Möglichkeit,
ihn neu zu entdecken, ihn nicht mehr nur wegen des direkten zeitgeschichtlichen
Bezugs zu lesen, sondern aus Gründen, die über diesen hinausweisen
und die vielleicht deshalb bedeutender sind.
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Erinnerer und Philosoph
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Sperber ist ein Erinnerer. Er
lässt - abgesehen vom Kollaps der kommunistischen Regime - alle Ereignisse
und Auseinandersetzungen dieses mörderischen und gleichzeitig hoffnungsvollen
europäischen 20. Jahrhunderts aufscheinen - gegen Vergessen und Bewusstlosigkeit,
gegen Fraglosigkeit und Gleichgültigkeit. Wie kaum ein anderer erzeugt
er historisches Bewusstsein. Aber obwohl die Oberfläche vieler Schriften
durch die Schilderung von politischen Ereignissen bestimmt ist, gibt es
doch immer eine zweite Dimension, eine Ebene, in der es um grundlegende
Fragen der menschlichen Existenz geht. |
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Sozialistischer Demokrat
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Sperber ist ein sozialistischer Demokrat.
Sein Romanheld entkommt den ideologischen Verstrickungen und den Versuchungen
totalitärer Macht. Sperber selbst vertritt seit dem Hitler-Stalin-Pakt
einen dritten Weg - einen im Kern libertären Sozialismus, der die Harmonisierung
des gesellschaftlichen Zusammenlebens eng mit einer Verbesserung der materiellen
Verhältnisse für alle verbindet und der ohne Einschränkung
von Freiheit, aber auch ohne Zugeständnisse an rücksichtslose
Gewinnsucht auskommen will. Diese Vision behält gerade nach dem Zusammenbruch
der spätstalinistischen Gesellschaftsordnungen ihre Bedeutung; sie
bildet nicht zuletzt ein Korrektiv zur Verwendung des Begriffs "dritter
Weg", der heute für eine neoliberale Ausprägung sozialdemokratischer
Politik steht. |
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Europäer
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Sperber ist ein Europäer. Er steht für
ein Europa mit einer grossen integrativen Kraft und gleichzeitig für
ein starkes, unabhängiges Europa, das sich für den Frieden engagiert. |
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Couragierter Intellektueller
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Sperber ist ein mutiger Mensch. Einer, der
sich seit dem Zweiten Weltkrieg nie gescheut hat, auf jeden Opportunismus
zu verzichten und seine Meinung gegen jeden noch so mächtigen Trend
zu äussern. Als Alexander Neills Buch "Theorie und Praxis der
antiautoritären Erziehung" am Anfang der 70er Jahre eine Million
Mal verkauft wurde und alle wussten, dass man antiautoritär zu sein
hatte, kritisierte Sperber die antiautoritäre Pädagogik - nicht
aus einer Position, die autoritäre Prinzipien verteidigte, sondern
vor dem Hintergrund einer in den 20er Jahren geführten Diskussion.
Schon damals hatte Sperber eine nichtautoritäre Pädagogik vertreten,
die viel höhere Anforderungen an den Einzelnen und an die Gemeinschaft
stellt, als es bei Neill der Fall ist. In den 70er Jahren geriet Sperber
mit seiner Position jedoch zwischen die Fronten. Dennoch blieb er bei dem,
was ihm richtig schien - und gerade auch wegen dieser couragierten Haltung,
die er ein Leben lang bewies, lohnt es sich, ihn wieder zu lesen. |
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